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MATTHIAS HERBERT
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"Er will nicht nach der Wand greifen, sich leiten lassen bis zur Treppe, er will die Schritte und die Wege kennen, ohne zu zählen, zwölf oder sieben. Er will den Raum fühlen, ohne ihn zu tasten, will den Fuß auf die erste Stufe der Treppe setzen, ohne zu zögern, als sei er blind und doch sicher, aber dann hört er ihre Schritte über sich, die Dielen in Anna-Marias Zimmer knarren, und das Glas der Küchentür klirrt lose im Rahmen.
Nackte Füße patschen leicht auf dem Linoleum, und ein Streifen Licht, wie mit einem scharfen Messer abgeschnitten, erstreckt sich plötzlich über die steile Treppe zu ihm herunter. Er sieht, daß er noch weit entfernt ist von der ersten Stufe, zwei Schritte oder drei, aber sehr weit."
Matthias Herbert hat eine Liebesepisode geschrieben, die im Detail so klar und wirklichkeitsnah ist, wie sie nur sein kann, und doch im Ganzen so unergründlich wie ein flüchtiger Traum. Man kennt nicht einmal die Namen der beiden Hauptpersonen, weder von ihm, noch von ihr, der Mutter der kleinen Anna-Maria. Nie verliert der Zeitungsjournalist, dessen Geschichte hier erzählt wird, den geschärften, fragenden Blick des Beobachters, verstrickt sich doch, entgleitet Arbeit, Freunden und Alltag. "...und er steht noch einen Augenblick da, einen Augenblick, der immer länger wird, so lang, bis es zwei sind, dann drei Augenblicke, bis es für ihn zu spät ist hinauszugehen, ganz unbefangen, natürlich." Aber er kann den Augenblick nicht halten und nicht, was er schon zu halten glaubte.
UND ES FÄNGT WIEDER AN ZU SCHNEIEN
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DER DYBUK
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Im alten jüdischen Volksglauben steht der Dybuk für einen Geist, der in einen Menschen fährt. Der Besessene und der Dybuk bleiben jedoch stets getrennte Personen. Über Jahrhunderte bot diese Legende in der jüdischen Kultur immer wieder Anlaß für Geschichten und Anleitungen zur Austreibung. Die Schriftstellerin Iris Anna Otto hat diese Legende nach dem allegorischen Drama von S. An-Ski und Joel Engel, das 1929 uraufgeführt wurde, nachgedichtet. Der ständige Wechsel von Trauer und Freude, Besessenheit und Erlösung, Trennung und Wiedervereinigung und von ruheloser Wanderschaft wird durch die musikalischen Arrangements der Klarinettistin Irith Gabriely und dem Classic-meets-Klezmer-Ensemble eindrucksvoll unterstützt.
DER DYBUK |
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DIE ZUNGE IM MIXER
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P.J. Hoffmann vereint in seiner Groteske "Die Zunge im Mixer" rasiermesserscharfen Witz, sprachliche Brillanz und eine gut durchdachte Story, ein Kunststück, das in der Literatur zum Schwierigsten und Seltensten gehört. Dabei wirkt der Text von angenehmer Klugheit, niemals intellektuell abgehoben, vielmehr jagt der Autor seinen Anti-Helden Gerald Mopils - ewiger Student der Philosophie, Krankenhauspförtner, und seit zehn Jahren mit seiner Promotion über Wittgenstein befasst - mit der Lakonie eines Philippe Djian und der Gnadenlosigkeit eines Stephen Fry von einer peinlichen Bredouille zur nächsten. Alles beginnt in einer lauen, bierseligen Maiennacht vor einem Briefkasten mit einem kuriosen Postraub. Die Menschen, denen der Ich-Erzähler in den Wirren der launigen, mäanderhaft dahinfließenden Handlung begegnet, werden mit genußvoller Boshaftigkeit karikiert. Daß bei so viel tiefer Wahrheit der Charme und die Leichtigkeit allgegenwärtig bleiben, ist eines der großen Geheimnisse dieses Buches. Die Leser werden den naiv-klugen Unglücksraben Mopils lieben, mit ihm leiden und vor allem: lachen. (Susanne Mischke)
DIE ZUNGE IM MIXER |
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GANG DURCH DAS RIED
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Er, Aladin, stand hier für einen ganz anderen Menschen: für
einen, der Schuld ohne Sühne im Heereszug hatte wie
Maultierdreck hinter sich liegen lassen und seiner Wege
gegangen war. Er folgte ihm, ein Soldat wie jener, und trat in
seine Stapfen. Aber während der erste wesenlos wurde und
hinter den Horizont sank – war er der Vater des Lückenbüßers
oder war er’s am Ende nicht? – nahm der zweite geheimnisvoll
zu und wurde dichter und immer schwerer, als habe sich ihm
mit jedem Schritt die fette, fruchtbare Erde an seine Sohlen
gehängt. Zuletzt war er stehengeblieben und hatte sich selber
gestellt. Wie heißest du? Peter Schaffner. Geboren? Im Ried.
Und woher dann in französischem Lagerdienst? Er wußte es
nicht. Es fehlte ihm noch, wie ihm dieses und jenes fehlte. Nur
seinen Namen und seine Schuld hatte er ganz gewiss und hatte
beides in einem – so sicher, wie jemand, der »Adam« sagt,
auch den Sündenfall mitbekommt.
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SCHATTEN UMARMEN
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“Ich gehe nach Israel, um dort zu
leben.” Mit diesem Enschluß
fängt für Katharina ein neues
Leben an. Und in Jerusalem erkennt
sie “hier geh ich nie mehr
weg.”
Es ist nicht nur das Land, es ist
auch die Liebe zu Lea, die ihr
endlich den Weg zu sich selbst
zeigt. Katharina und Lea – eine
Deutsche und eine Israelin, gefangen
im Konflikt ihrer Länder
und deren Geschichte; die Generation,
die versucht, anders mit
Schuld und Unversöhnlichkeit umzugehen.
Trotz aller geschichtlicher Vorbehalte,
gelebter Enttäuschungen
und nicht eingestandener Empfindungen
entwickelt sich zwischen
den beiden Frauen eine
leidenschaftliche Liebe, die immer
überschattet ist von der Gewalt,
die die Stadt bedroht und
die letzten Endes das Schicksal
von Katharina und Lea entscheidet. "Besonders gefallen haben mir die anschaulichen, einfühlsamen Eindrücke aus Israel. Ich war noch niemals dort, aber beim Lesen konnte ich mich sofort hinträumen, konnte riechen, schauen, hören und erleben. Die politischen Verhältnisse werden in einer so behutsamen Weise dargestellt, dass sie zwar Trauer und Mitleid erwecken, aber niemals einseitig Partei ergreifen. Die Autorin schildert das vorsichtige Kennenlernen einer Deutschen und einer Israelin, das trotz der Vorbelastung und Verletzlichkeit dieser Beziehung in eine große Liebe mündet." (Ingrid Noll)
SCHATTEN UMARMEN |
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GEPÄCKAUFBEWAHRUNG
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Das Spektrum der hier versammelten Prosa reicht von der realistischen und psychologischen Erzählung über die phantastische Kurzgeschichte bis zur äsopischen Fabel. Ursula Sigismunds Sprache paßt sich der jeweiligen Situation an, sie ist auf sympathische Weise drastisch und salopp, aber auch ernst und nachdenklich.
Ursula Sigismunds 80. Geburtstag war 1992 Anlaß zur Gründung des Kranichsteiner Literaturverlags. Ihr biographischer Roman "Zarathustras Sippschaft", in dem die Großnichte Friedrich Nietzsches von ihrer Kindheit und Jugend in Weimar erzählt, war der erste Reprint des Verlags. Zu Ursula Sigismunds 90. Geburtstag gratuliert der KLV mit der Neuauflage von "Gepäckaufbewahrung", einer vor knapp 30 Jahren von der Gesellschaft Hessischer Literaturfreunde erstmals veröffentlichten Sammlung von Kurzgeschichten und Erzählungen, die nichts von ihrer Aktualität verloren haben und in ihrer frischen, natürlichen Erzählweise so unmittelbar wirken wie zur Zeit ihrer Entstehung.
GEPÄCKAUFBEWAHRUNG |
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AUGENBLICKE VERÄNDERN UNS MEHR ALS DIE ZEIT
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Charlotte Wolff, die sich selbst als "internationale Jüdin mit britischem Paß" bezeichnete, beschreibt in ihrer Autobiographie "Augenblicke verändern uns mehr als die Zeit" ihren emotionalen und beruflichen Werdegang als deutsche Jüdin, Ärztin, Psychologin und Wissenschaftlerin. Sie erzählt von ihren Begegnungen mit bekannten Künstlern, Dichtern und Denkern und von ihren Frauenbeziehungen. Charlotte Wolff schrieb mehrere Bücher, unter anderem 1973 "Psychologie der lesbischen Liebe", 1977 "Flickwerk" unter dem Titel "Späte Liebe" wieder lieferbar) und 1983 "Die Hand als Spiegel der Psyche". Bisher nicht übersetzt ist ihre Biographie des Sexualforschers Magnus Hirschfeld. Dieses Portrait gilt als eines ihrer wichtigsten wissenschaftlichen Werke. Charlotte Wolff starb am 12. September 1986 in London. AUGENBLICKE VERÄNDERN UNS MEHR ALS DIE ZEIT ISBN 3-929265-15-X, engl. broschiert, 319 Seiten, € 15,00
Aus dem Englischen übersetzt von Michaela Huber
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...Pressestimmen
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GOJISCH GESEHEN
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GOJISCH GESEHEN sind Feuilletons im besten klassischen Sinn – und etwas, das es so nur in Deutschland geben kann.
Die „Jüdische Allgemeine“, herausgegeben vom Zentralrat der Juden in Deutschland, fand es an der Zeit, jüdisch-deutsches Leben heute von einer nicht-jüdischen Deutschen unterhaltsam kommentieren zu lassen – auf der letzten Seite, zwischen „Vermischtem“. Die Idee war von Anfang an auf Pieke Biermann zugeschnitten. Literaturredaktuer Michael Wuliger wollte etwas ähnlich Komisches und Freches wie Herta & Doris, aber mit „jüdischem Bezug“. Thema ist alles, was Hohn und Spott verdient, Stoff für rasante, Denken und Wahrnehmen schärfende Wort- und Gedankenspiele bietet und auf den ersten Blick nicht zusammen zu gehören scheint. Essen und Migration, Fußball und jüdische Feiertage, Kreuzworträtsel und Avocadobrote, jüdische Witze und Psychiater usw. Bei aller Ernsthaftigkeit der Thematik kommt es immer wieder zu urkomischen Szenen, in denen Pieke Biermann sich als tempo- und ideenreiche, jedoch immer sensible Erzählerin mit einer Vorliebe für deftige Intermezzi erweist. GOJISCH GESEHEN ISBN 3-929265-16-8, engl. broschiert, 159 Seiten, € 15,00
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